3 Fragen an ... Stefan von Gunten, Berater, Coach, Betriebswirtschafter und Lehrbeauftragter BFH

04.12.2018

Als langjähriger Leiter des Sozialdiensts der Stadt Bern haben Sie viel Erfahrung in der Sozialen Arbeit. Heute sind Sie nicht mehr im Sozialdienst. Sie beraten Organisationen in Veränderungsphasen und sind Lehrbeauftragter im Weiterbildungskurs Umgang mit Veränderungen – Von der starren zur agilen Organisation an der BFH. Welchen Agilitätsbedarf haben Organisationen im Sozialbereich?

Aus meiner Sicht haben Organisationen aus verschiedenen Gründen einen hohen Agilitätsbedarf. Die Komplexität der Innen- und Aussenwelt von Organisationen nimmt stetig zu und Mehrfachproblematiken bei der Klientel sind an der Tagesordnung. Gleichzeitig haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sozialbereich oft eine hohe Gestaltungsmotivation. Damit Organisationen unter diesen Umständen den immer neuen und sich verändernden sozialen Problemlagen gerecht werden und das in einer Organisation vorhandene Potenzial auch wirklich nutzen können, braucht es neue Methoden. Hier sehe ich die Einführung von agilen Prinzipien als passende Antwort.

Der Begriff der Agilität ist als Merkmal einer Organisation schwierig fassbar und wird etwa als flexibles, proaktives, antizipatives und initiatives Agieren umschrieben. Was unterscheidet nach Ihnen agile Organisationen von Organisationen im traditionellen Sinn?

Aus meiner Beobachtung sind bei agilen Organisationen die Aufgaben, Kompetenzen und die Verantwortung der Mitarbeitenden gebündelt und nicht – wie es sonst oft anzutreffen ist  – getrennt verortet. Je mehr diese drei Faktoren jedoch zusammengefasst und den Mitarbeitenden übergeben werden, umso agiler ist eine Organisation meines Erachtens unterwegs.

Was bedeutet Agilität für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Organisationen?

Durch die Einführung von agilen Prinzipien erhalten Mitarbeitende die Chance, Sinnhaftigkeit für das eigene Tun zu erleben. Sie können zudem Verantwortung übernehmen und erhalten dadurch einen grösseren Gestaltungsspielraum, was gleichzeitig zu mehr Selbstbestimmung und einer nachweislich höheren Arbeitszufriedenheit führt.

Umgang mit Veränderungen – Von der starren zur agilen Organisation
Was hilft Ihnen als Führungskraft auf Veränderungen dynamisch und flexibel zu reagieren? In diesem Kurs lernen Sie, was Sie tun können um in Ihrer Organisation das Potenzial für mehr Anpassungsfähigkeit und Kundenfokus zu erhöhen.

Weitere Informationen

Interview: Melanie Germann, Studienleiterin und Dozentin Berner Fachhochschule