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Liebe Leserin, lieber Leser

Eine Fachhochschule hat im Gegensatz zu einer Universität den Auftrag, zur Ausübung eines Berufs zu befähigen. Dabei sind diejenigen Berufe gemeint, die in besonderem Masse auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen sind, die sogenannten Professionen. Die BFH nimmt sich in ihrer Strategie vor, dass ihre Studiengänge «praxisorientiert und forschungsbasiert» sein  sollen. «Praxisorientierte Lehre fördert den Aufbau der wissenschaftlich abgestützten Fach- und Methodenkompetenzen, die aktuell und prospektiv für die erfolgreiche Tätigkeit im assoziierten Berufsfeld erforderlich sind.»

Das allein reicht nicht. Auch Kolleginnen aus Technik und Wirtschaft sagen mir, sie bilden Persönlichkeiten aus, nicht blosse Wissensträger. Deshalb unterstützt die BFH darüber hinaus «die Entwicklung von überfachlichen Kompetenzen, die zum Erfolg in der beruflichen Tätigkeit beitragen». Es reicht nicht, recht zu haben – wer erfolgreich sein will, muss auch recht bekommen. Es reicht nicht, zu wissen, was Sache ist – man muss sich auch durchsetzen können. Es reicht nicht, zu verstehen – man muss auch handeln, kommunizieren, überzeugen, Konflikte wagen, Risiken einschätzen können und mit Aggression, Ekel und Zuneigung den Umgang finden. Die Praxis der Sozialen Arbeit fordert auch emotional. Um da nicht nur standzuhalten, sondern wirksam zu bleiben, brauchen Profis, über alles Wissen hinaus, ausgeprägte Sozial- und Selbstkompetenzen.

Das ursprünglich politische Selbstverständnis unserer Hochschule für Soziale Arbeit hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Die Hochschule als ein Ort des Kampfes um soziale Gerechtigkeit ist zunächst einer Hochschule als Ort der Wissensaneignung gewichen. Nun beginnt ein Ausbau zu einem Ort des Trainings derjenigen Kompetenzen, die es braucht, um Hochschulwissen wirksam werden zu lassen. Wir sagen nicht, was richtig ist und was falsch, wir üben nur die Fähigkeit, die eigenen Einschätzungen durchzusetzen. Ob hart oder weich, ob radikal oder gemässigt, ob geduldig oder drängend, das bleibt immer die Entscheidung derer, denen das Handeln im Feld obliegt. Freilich verfügen gewiefte Kämpfer über verschiedene Methoden und wissen, wann welche rascher zum Ziel führen. Genau das sollen Mann und Frau an unserer Hochschule lernen können: ein breites Repertoire, ein gerüttelt Mass Selbstkenntnis und das Vermögen, situationsadäquat vorzugehen.

Das ist Neuland und – wen wundert’s – nicht unumstritten. Wir gehen behutsam, aber beharrlich vor. Wir stützen auf Forschungsergebnisse ab und produzieren neue. Wir beobachten die Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen und hinterfragen ständig, wo Training aufhört und Manipulation beginnt.

Und wir sichern uns breit ab: Wer mitmachen will, den oder die interessiert unsere Tagung zum Thema «Persönlichkeitsentwicklung an Hochschulen» (siehe S. 12).

Halt – eins noch: Ich danke unseren Pionierinnen für ihre Courage!

Prof. Johannes Schleicher
Leiter Departement Soziale Arbeit
johannes.schleichernoSpam@bfh.ch

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