Werte Leserinnen und Leser

Als ich unlängst während eines Studienaufenthalts an US-amerikanischen Hochschulen weilte, begegnete mir auf Schritt und Tritt der Begriff der «Disruption». Wird Disruption zum Ausdruck einer Zeitenwende, die im Unterschied zu politischen Revolutionen und gesellschaftlichen Evolutionen den Menschen zum Spielball einer entfesselten Dynamik macht? 

Disruption steht für die durch neue Technologien ausgelöste zerstörerische Verdrängung vertrauter Lebens- und Arbeitsweisen.

Motor der Veränderungen ist die Digitalisierung. Die langfristigen Folgen sind noch nicht absehbar, doch die disruptive Dynamik zeigt sich schon heute in vielen Bereichen. So verdrängen Social Media nicht nur die herkömmlichen Medien, auch der Charakter von Öffentlichkeit und die öffentliche Meinungsbildung wandeln sich grundlegend. In eine durchaus fragwürdige Richtung, wenn Menschen ausschliesslich in den Informationsblasen leben, die ihre Überzeugungen verstärken und von gegenteiligen Meinungen abschirmen.

Eine Idee, welche die Soziale Arbeit begründete und leitet, ist die Idee des gesellschaftlichen Wandels als aktive Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen, damit die Welt eine bessere wird.

Disruptionen enthalten Innovationen und bergen Risiken. Disruptiven Veränderungen sollten wir im Sinne des gesellschaftlichen Wandels mit Neugier und Gestaltungswillen, verbunden mit kritischer Urteilskraft, begegnen.

Die Beiträge dieses Hefts behandeln Themen und Problemlagen, bei denen sich ein disruptiver Charakter vermuten lässt. Sie zeigen aber auch, dass die Akteure und Akteurinnen der Sozialen Arbeit, in der Hochschule wie im Handlungsfeld, sich der Veränderungen aktiv und gestaltend annehmen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Prof. Petra Benz Bartoletta
Studiengangsleiterin Bachelor in Sozialer Arbeit
petra.benznoSpam@bfh.ch 

   Modell F