Wer lange Sozialhilfe bezieht, hat meist Gesundheitsprobleme

25.08.2015

Eine Studie der Städteinitiative Sozialpolitik und der Berner Fachhochschule belegt, dass knapp zwei Drittel der Langzeitbeziehenden in der Sozialhilfe nachweisbar unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden. Sie sind oft zu krank, um im Arbeitsmarkt zu bestehen, und haben dennoch meist keinen Anspruch auf eine IV-Rente.

Alessandro Della Bella, Keystone

Der «Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe in den Schweizer Städten» widmet seinen Schwerpunkt dieses Jahr dem Langzeitbezug in der Sozialhilfe. Die 13 teilnehmenden Städte beobachten seit mehreren Jahren, dass die durchschnittliche Bezugsdauer in der Sozialhilfe steigt: Von 32 Monaten im Jahr 2006 auf 40 Monate im Jahr 2014.

In einer repräsentativen Stichprobenerhebung wurden daher Sozialhilfefälle analysiert, die seit mehr als drei Jahren Sozialhilfe beziehen.

Typische Risikofaktoren für eine lange Unterstützungsdauer durch die Sozialhilfe sind:

  • Über 45 Jahre alt
  • Keine Berufsausbildung
  • Erwerbstätigkeit nicht möglich, z.B. wegen Gesundheit, Familienpflichten oder noch in Ausbildung
  • Mehrere Kinder gehören zur Familie und das jüngste Kind geht noch nicht zur Schule

Oft zu krank für den heutigen Arbeitsmarkt, aber «zu gesund» für IV-Rente

Frappant ist die gesundheitliche Situation von Menschen, die seit mehr als drei Jahren auf Sozialhilfe angewiesen sind. Knapp 63 Prozent haben belegte gesundheitliche Beeinträchtigungen. Davon sind etwa 40 Prozent physische Einschränkungen aufgrund von Unfall oder Krankheit, rund 20 Prozent haben ein akutes Suchtproblem, gut 10 Prozent eine ärztlich attestierte Depression und rund 30 Prozent eine andere psychische Krankheit.

Bei einer Mehrheit der Personen mit Gesundheitsproblemen haben die zuständigen Sozialdienste eine IV-Rente in Betracht gezogen. Knapp 10 Prozent erhalten heute eine IV-Rente oder -Teilrente, deren Höhe jedoch nicht zur Existenzsicherung reicht und durch die Sozialhilfe ergänzt wird. Im Durchschnitt aller Städte wurde ein Viertel der IV-Anträge von Langzeitbeziehenden abgelehnt. Keine IV-Anmeldungen erfolgen bei Suchtkrankheiten, da diese grundsätzlich keinen Anspruch auf IV begründen.

Sozialhilfequoten in den Städten blieben 2014 mehrheitlich stabil

Der Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe in Schweizer Städten umfasst 13 Städte aus der ganzen Schweiz und erscheint jährlich seit 16 Jahren. Die Erhebungen werden jeweils von der Berner Fachhochschule und der Städteinitiative Sozialpolitik durchgeführt.

2014 blieben die Sozialhilfequoten in den beteiligten Städten mehrheitlich stabil. Die Zahl der Sozialhilfebeziehenden entwickelt sich in etwa parallel zum Bevölkerungswachstum. Das Sozialhilferisiko ist generell höher im westlichen Landesteil und in grösseren Städten mit Zentrumsfunktion als in kleineren Städten der Deutschschweiz.

Detaillierte Informationen zum aktuellen Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe in Schweizer Städten:

Medienmitteilung vom 25. August 2015
Kennzahlenbericht 2014

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