Vierzehn Empfehlungen für den Kindesschutz

06.09.2012

Eine international angelegte Studie liefert Empfehlungen für eine Verbesserung des Kindesschutzes in der Schweiz. Die Untersuchung der Berner Fachhochschule im Auftrag des Schweizerischen Fonds für Kinderschutzprojekte hat Systeme aus fünf Ländern verglichen (Australien, Deutschland, Finnland, Schweden und Vereinigtes Königreich).

Kinder effizient vor Gewalt und Missbrauch zu schützen ist das erklärte Ziel aller Länder, die die UNO-Kinderrechte-Konvention unterschrieben haben. Vor allem föderalistisch organisierte Nationen sind bei der Schaffung eines effektiven Kinderschutzsystems herausgefordert – das gilt auch für die Schweiz, wo die Verantwortung für den Kindesschutz hauptsächlich bei den Kantonen und Gemeinden liegt. Dies ist vorteilhaft, weil damit auf lokale Bedürfnisse eingegangen werden kann. Schwieriger sind aber die landesweite Übersicht und Koordination.

Länderübergreifender Vergleich
Es lohnt sich deshalb, einen Blick über die Grenzen hinaus zu werfen und zu analysieren, wie andere sich dieser anspruchsvollen Aufgabe annehmen und was erfolgsversprechend ist. Zu diesem Zweck hat der neu gegründete «Schweizerische Fonds für Kinderschutzprojekte» bei der Berner Fachhochschule eine Studie in Auftrag gegeben. In einem ersten Schritt führten lokale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Analysen in 5 ausgewählten Ländern durch (Australien, Deutschland, Finnland, Schweden und Vereinigtes Königreich). In einem zweiten Schritt untersuchte eine Expertengruppe – zusammengesetzt aus Schweizer Fachleuten aus den Bereichen Recht, Wissenschaft und Praxis – die Ergebnisse hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in der Schweiz.

14 Empfehlungen für zwei Stossrichtungen
Die 14 abgeleiteten Empfehlungen für die Schweiz geben Anregungen, wie der Kindesschutz in der Schweiz noch effektiver vorangetrieben werden kann. Die Empfehlungen sind aufeinander abgestimmt, greifen auf verschiedenen Ebenen und zielen in zwei Richtungen: Einerseits auf ein fähiges Notfallsystem, das zum  Einsatz kommt, wenn Fälle von Gewalt beziehungsweise Missbrauch eingetroffen sind. Anderseits auf ein Identifikations- und Präventionssystem, das gefährdete Bevölkerungsgruppen ausfindig macht und mit vorbeugenden Massnahmen so versorgt, dass es wenn möglich nicht zu Notfällen kommt.

So lauten die 14 Empfehlungen:

  1. Nationaler ständiger Ausschuss
  2. Kindeswohlausschüsse
  3. Sozialarbeiterteams
  4. Fallbesprechungsmeetings
  5. Professionelle Kindesschutzausbildung
  6. Förderung der Sozialarbeit
  7. Familienpartizipation
  8. Überprüfung der Angebote und Massnahmen
  9. Begleitende Unterstützung für Kindesschutzaufgaben
  10. Zweistufiges Beurteilungssystem
  11. Überprüfung der Methoden
  12. Überprüfung der staatlichen Obhut
  13. Kindes- und Jugendschutzregister
  14. Messen der Leistungen und Ergebnisse

Kurzinformationen zu den Empfehlungen finden Sie auf den ersten Seiten der Studie.

Schweizerischer Fonds für Kinderschutzprojekte
Der gemeinnützige Verein «Schweizerischer Fonds für Kinderschutzprojekte» (vormals PPP – Programme National pour la Protection de l’Enfant), identifiziert und unterstützt evidenzbasierte Präventions- und Trainingsprojekte mit messbaren Resultaten. Gleichzeitig werden angewandte Forschungsprojekte gefördert, die Wissenslücken im Bereich erfolgreicher Präventionsarbeit schliessen sollen. Durch die aktive Verbreitung der Resultate, Erkenntnisse und Erfahrungen soll mittelfristig ein Wissensnetzwerk gebildet werden, das allen im Kinderschutz tätigen Akteuren zugute kommt und so einen Beitrag leistet, den Kinderschutz nachhaltig zu verbessern.

Der Verein bündelt, in Form einer «Public-Private-Partnership», das Wissen und bestehende Netzwerke von öffentlichen und privaten Trägern und ergänzt mit seinen Aktivitäten bestehende Strukturen und Organisationen im Bereich des Kinderschutzes.

Weitere Informationen zum Kinderschutzfonds

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