Respekt für KESB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

09.10.2017

Schnelles Reagieren bei Notfällen gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer KESB. Gefragt sei dabei viel Flexibilität, denn in solchen Fällen müssten KESB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles andere liegen lassen und mitanpacken. Dies berichtet unsere Dozentin Simone Münger im Rahmen des Seitenwechsel-Projekts.

Liebe Valerie Miesch

Mit grossem Interesse habe ich deine letzte Mail gelesen und hatte bei einigen deiner Aussagen ein Déjà-vu: Zum einen sagst du, als Dozentin sei man mehr Einzelkämpferin als Teamplayerin. Ich geniesse es sehr, hier auf der KESB in ständigem Austausch mit den anderen Mitarbeitenden zu stehen. Dies fehlt mir als Dozentin tatsächlich oft. Dass wir alle unterschiedliche Fächer unterrichten, erschwert einen fachlichen Austausch und damit ein fachliches Weiterkommen. Zudem schreibst du, ein unmittelbares Feedback zu erhalten, sei schwierig. Dies sei höchstens am Ende des Semesters der Fall. Auch hierbei kann ich dir beipflichten. Selbst wenn du am Schluss des Unterrichts eine Evaluation machst, erhältst du nur von einem Bruchteil der Studierenden eine Rückmeldung – und meistens von denjenigen, welche dir wohlgesinnt sind. Die anderen erscheinen nicht mehr im Unterricht. Drittens schreibst du, den Aufwand für die Unterrichtsvorbereitung unterschätzt zu haben. Unterrichtet man ein Modul oder auch nur eine Moduleinheit zum ersten Mal, ist der Aufwand meiner Erfahrung nach enorm hoch. Die dafür zur Verfügung stehende Zeit im Zeitbudget von Dozierenden ist nicht ausreichend. Erst wenn man ein Modul mehrere Male unterrichtet hat, geht die Rechnung auf. Wie du richtig schreibst, benötigt es auch viel Zeit, die Lernplattform «Moodle» zu bewirtschaften. Und wenn etwas nicht korrekt ist, melden sich die Studierenden schneller, als dir lieb ist!

Ich geniesse meine Zeit hier auf der KESB weiterhin sehr. In der Zwischenzeit finde ich mich in der Komplexität des Klientenbewirtschaftungssystems und den Abläufen besser zurecht. Entsprechend kann ich mich mehr und mehr auf Inhaltliches denn auf Formales konzentrieren, auch wenn mich letzteres nach wie vor auf Trab hält. In den vergangenen Tagen war ich in einige dramatische Geschichten involviert und konnte im Auftrag von diversen Behördenmitgliedern interessante Tätigkeiten ausführen. So half ich bei der Suche nach einem Notfallplatz für eine minderjährige Person mit. Ich erlebte, wie sich eine Situation dramatisch zuspitzen, sich ebenso schnell wieder verändern und mehrere KESB-Mitarbeitende während Tagen in Beschlag nehmen kann. Es benötigt viel Flexibilität der Betroffenen, Dringendes an die Hand zu nehmen, ohne den Überblick über die anderen Geschäfte aus den Augen zu verlieren. In einer anderen Situation musste so schnell als möglich eine Vormundschaft für eine minderjährige Person errichtet werden, da beide Eltern verstorben sind. Hier war bei den telefonischen Erstkontakten mit den Betroffenen viel Fingerspitzengefühl nötig.

Mein Respekt für die Mitarbeitenden der KESB wächst mit jedem Tag und oft denke ich, wie gut es der einen oder anderen Person tun würde, einen vertieften Einblick in die Tätigkeit einer KESB zu erhalten, statt beim aktuellen KESB-Bashing mitzumachen. 

Liebe Grüsse

Simone Münger

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