Der Vorsorgeauftrag – Ergebnisse einer ausgezeichneten Bachelor-Thesis

15.06.2017

Die demografische Entwicklung und die zunehmende Alterung der Bevölkerung lässt das Thema der persönlichen Vorsorge an Aktualität gewinnen. Auch die steigende Anzahl demenzkranker Menschen lässt Fragen nach Vertretungslösungen aufkommen. Wie kann ich mich auf den Ernstfall vorbereiten? Wer kann für mich entscheiden, wenn ich es nicht mehr selbst kann?

Mit der Einführung des neuen Erwachsenenschutzrechts im Jahr 2013 wurde eine neue Möglichkeit der persönlichen Vorsorge gesetzlich verankert: der Vorsorgeauftrag. Eine vom Verein Alumni BFH Soziale Arbeit ausgezeichnete Bachelor-Thesis hat sich mit dem Inhalt und der Bekanntheit des Vorsorgeauftrages auseinandergesetzt und ist der Frage nach dem Auftrag der Sozialen Arbeit nachgegangen.

Die Ergebnisse der Bachelor-Thesis wurden zum einen mit der vertieften Auseinandersetzung mit Fachliteratur und zum anderen mit einer empirischen Untersuchung erarbeitet. Dabei wurden die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden des Kantons Bern mittels Fragebögen und Expertinnen aus der Praxis im persönlichen Gespräch befragt.

Die Ergebnisse zeigen, dass zwar aktuell diverse Akteurinnen und Akteure zur Bekanntmachung des Vorsorgeauftrags beitragen, jedoch das Wissen noch längst nicht genug verbreitet ist. Als Handlungsbedarf lässt sich zusammenfassend festhalten, dass mehr Kanäle gefunden werden müssen, damit die gesamte Bevölkerung erreicht werden kann.

... ein Auftrag der Sozialen Arbeit!
Der Auftrag der Sozialen Arbeit im Rahmen des Vorsorgeauftrags ergibt sich erstens aus dem Grundwert der Selbstbestimmung, zweitens aus den Zielen der Befähigung und Ermächtigung und drittens aus dem Handlungsprinzip der Ermutigung zur Wahrnehmung der eigenen Rechte.

Die Soziale Arbeit als Profession begründet ihr Handeln auf den Menschenrechten. Aus den Menschenrechten und der Menschenwürde ergibt sich in der Berufsethik der Sozialen Arbeit der Grundwert der Selbstbestimmung. Diesem Grundwert kommt bei der persönlichen Vorsorge ein besonderer Stellenwert zu. Das Recht auf Selbstbestimmung ist gemäss dem Berufskodex durch die Profession der Sozialen Arbeit zu achten und zu fördern. Laut den Ergebnissen der Bachelor-Thesis ist die Aufklärung zu den Möglichkeiten der Selbstbestimmung, wie es das Erwachsenenschutzrecht vorsieht, zentral, damit jeder Mensch seine eigene Wahl und Entscheidung treffen kann.

Nicht zuletzt soll das Handeln von Professionellen der Sozialen Arbeit, Klientinnen und Klienten befähigen, ihre eigenen Rechte wahrzunehmen und von diesen Gebrauch zu machen. Dieses Handlungsprinzip fordert die Sozialarbeitenden dazu auf, Klientinnen und Klienten zu ermutigen, ihre Rechte im Hinblick auf die persönliche Vorsorge zu kennen und wahrzunehmen.
Dementsprechend ist die Förderung des Vorsorgeauftrags, nach Meinung der Verfasserinnen, von der Profession der Sozialen Arbeit anzustreben.

Resümierend kann gesagt werden, dass der Vorsorgeauftrag eine gute Möglichkeit bietet, die Selbstbestimmung auch bei Verlust der Urteilsfähigkeit zu erhalten. Jedoch ist das Instrument noch längst nicht allen bekannt. Es ist anzustreben, dass im besten Fall alle erwachsenen Personen das Instrument des Vorsorgeauftrags kennen und für sich selbst entscheiden können, inwiefern sie diese Option nutzen möchten oder nicht. Damit das möglich wird, muss der Vorsorgeauftrag weiter bekannt gemacht werden, unter anderem auch durch die Profession der Sozialen Arbeit.

Ramona Christen und Anika Schwenk, Absolventinnen des Bachelorstudiengangs in Sozialer Arbeit an der Berner Fachhochschule

Die Bachelor-Thesis «Der Vorsorgeauftrag als Instrument zur Selbstbestimmung – ein Auftrag der Sozialen Arbeit?» steht in der Edition Soziothek als kostenloser Download zur Verfügung.

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