BFH stellt Kindesschutz auf den Prüfstand

04.12.2017

Wie erkennt man, ob eine Familie Hilfe von aussen benötigt, um den Kindern ein Aufwachsen unter günstigen Bedingungen zu ermöglichen? Und wie können Professionelle solche Familien wirksam unterstützen, wenn Hilfe gefragt ist? Ein Forschungsteam der BFH untersucht diese Fragen in zwei mehrjährigen Studien. Beide werden vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.

Das erste Projekt betrifft die Abklärung von Kindeswohlgefährdungen. Heute ist in der Schweiz das Vorgehen bei solchen Abklärungen uneinheitlich und oft wenig transparent. Zur Verbesserung der fachlichen Qualität hat ein Forschungsteam der BFH zusammen mit der Hochschule Luzern ein neues Abklärungsinstrument entwickelt, das auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut. In einer dreijährigen Studie wird dieses Instrument nun auf seine Wirksamkeit hin überprüft. Darüber hinaus wird untersucht, wie sich die Entscheidungsfindung und die Wahrnehmung des Abklärungsprozesses durch die Betroffenen verändern. Zu diesem Zweck werden zwischen 2017 und 2019 abklärende Dienste und Kindesschutzbehörden, die das standardisierte Abklärungsinstrument eingeführt haben, mit solchen verglichen, die ihre bisherige Abklärungspraxis weiterführen. Das Projekt, ausgeführt in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern und der Hochschule für Soziale Arbeit Wallis, rührt an einem politisch brisanten Thema. Die 2013 eingeführten Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden stehen unter hohem medialen Druck. Sie sind dem Vorwurf ausgesetzt, gesellschaftsfern zu sein und über die Köpfe der Menschen hinweg zu entscheiden. Hier kann eine wissenschaftliche Beobachtung und Analyse des Vorgehens und der fachlichen Standards zur Klärung und Versachlichung beitragen.

Das zweite Projekt untersucht eine professionelle Form der Hilfe, die in Kindesschutzfällen sehr oft zur Unterstützung von Familien eingesetzt wird: die sozialpädagogische Familienbegleitung. Kennzeichen dieser Hilfe ist es, dass Fachpersonen über mehrere Wochen oder Monate hinweg regelmässig in die Familien gehen, um die Eltern in ihrer Erziehung anzuleiten und zu stärken. Häufig sollen Familienbegleitungen dazu dienen, einer Fremdplatzierung vorzubeugen. Trotz dieser für die Praxis bedeutsamen Funktion ist die Familienbegleitung in ihren Wirkungen, ihren Wirkungsbedingungen und ihren Wirkfaktoren bisher empirisch kaum beleuchtet worden. Die Studie der BFH untersucht daher im Zeitraum zwischen 2018 und 2020, welche Merkmale und Belastungen die Familien zu Beginn der Intervention aufweisen, wie sich diese Merkmale über die Dauer der Intervention entwickeln und welche Faktoren bezüglich Eltern, Kinder, Fachpersonen und des Unterstützungsprozesses die Wirkungen beeinflussen. Die Erkenntnisse sollen künftig dabei helfen zu erkennen, in welchen Fällen sozialpädagogische Familienbegleitungen eine effektive Form der Hilfe sind – und wie sie methodisch weiter entwickelt werden können, um noch wirksamer zu werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Prof. Dr. David Lätsch, david.laetschnoSpam@bfh.ch, Tel. 031 848 36 93

Übrigens: Ein weiteres neues Nationalfondsprojekt der BFH untersucht unter der Leitung von Debra Hevenstone neue Finanzierungsmodelle für soziale Dienstleistungen.

 

 

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