3 Fragen an… Eia Asen, Systemischer Therapeut und Begründer des Marlborough-Modells der Multifamilientherapie

02.10.2018

Der mentalisierungsbasierte Ansatz findet zunehmend Eingang in die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien. Im Interview erläutert Eia Asen, warum das Mentalisieren ein unverzichtbarer Baustein im Methoden-Repertoire von Beratung und Therapie ist.

Am Donnerstag, 15. November 2018, stellt Eia Asen an der BFH den Ansatz des Mentalisierens vor, angereichert mit Video-Demos aus seiner eigenen Praxis und mit Übungen für eine einladende Arbeit in (Multi-)Familien-, Paar- und Einzel-Settings.

Eia Asen, was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus Ihrer langjährigen Arbeit mit Familien?

Eia Asen: Eine Veränderung von eingefahrenen Verhaltens- und Beziehungsmustern zwischen den Familienmitgliedern kann nur erfolgen, wenn sich die Einzelnen in ihren jeweiligen Gedanken und Gefühlen angemessen wahrgenommen und verstanden fühlen. So ist es in der Familienarbeit grundlegend wichtig, Eltern dabei zu unterstützen, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Kinder hineinzuversetzen und sich gleichzeitig auch selbst durch die Augen ihrer Kinder zu sehen – und dann noch darüber nachzudenken, wie ihr Verhalten wohl aus der Kinderperspektive erscheinen mag.
 
Was macht das Mentalisieren zu einem Baustein in Ihrem Repertoire, auf den Sie nicht verzichten möchten?

Meiner Erfahrung nach unterstützt Mentalisierungsförderung die Menschen darin, sich besser aufeinander einzustimmen, besser miteinander umzugehen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen; und das gilt nicht nur für Familienmitglieder, sondern auch für die therapeutischen bzw. beratenden Fachpersonen. Durch wechselseitiges Verstanden werden und Verstehen wollen – in jeder Form von mentalen Zuständen, seien es Gedanken, Bedürfnisse, Motivationen, Vorstellungen oder Gefühle – wird das innere Befinden eines jeden berücksichtigt. Das wirkt in Familien beziehungsfördernd und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kindern.

Was empfehlen Sie Fachkräften der Sozialen Arbeit, die sich Kompetenzen für die Multifamilienarbeit und das Mentalisieren aneignen möchten?

Das Mentalisierungsmodell hat sich in den letzten Jahren für die Arbeit mit Familien zunehmend etabliert und wird gerade auch in der Multifamilienarbeit praktisch eingesetzt. Natürlich geht die Umsetzung auch mit einer mentalisierenden Beratungshaltung einher.
Für eine professionelle Arbeit ist es nicht ausreichend, sich das Wissen allein über Fachliteratur anzueignen. Ich empfehle daher, mindestens einen Grundkurs für Multifamilienarbeit mit einem Mentalisierungsfokus zu besuchen. Es gibt im deutschsprachigen Raum mittlerweile viele Weiterbildungsangebote, auch in der Schweiz.

Weitere Informationen zum Fachtag mit Eia Asen

Glossar:

Mentalisieren
beschreibt die menschliche Fertigkeit, bei sich selbst und anderen mentale Zustände wie Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Überzeugungen, Motive zu erkunden und im Zusammenhang mit dem eigenen bzw. fremden Verhalten zu verstehen.

Multifamilienarbeit ist die gemeinsame Arbeit in einer Gruppe von Familien mit ähnlichen Themen und Erfahrungen. Sie ermöglicht ein experimentelles Voneinander-Lernen und erleichtert das Entwickeln neuer Sichtweisen.