Seitenwechsel: Start ins Dozierendenleben

03.10.2017

Die Anzahl gähnender Münder als Messlatte für die eigene Arbeit. Dies ist einer der Gedanken, den die Neu-Dozentin Valerie Miesch nach der ersten Erfahrung im Unterricht festhält. Mehr über Hürden und Erfolge bei ihrer Premiere erfahren Sie im folgenden Bericht im Rahmen des Projekts Seitenwechsel

Liebe Simone Münger

Während du dich in der KESB mit den formalen Abläufen auseinandergesetzt hast, musste ich in einem doppelten Sinne einen Seitenwechsel vollziehen: einerseits den Wechsel von der Praxis in die Lehre, andererseits den Wechsel von der studierenden auf die dozierende Seite. Das fing nur schon damit an, dass ich die Räumlichkeiten der BFH aus einer neuen Perspektive kennenlernte – und auf der Suche nach dem Vorlesungsraum prompt das falsche Treppenhaus nahm.

Als es zu Beginn technische Probleme gab, fühlte ich mich dagegen gleich wie zu Hause. Offensichtlich müssen wir alle mit ähnlichen Schwierigkeiten zurechtkommen. Inzwischen funktioniert mein Laptop aber und ich kann die Unterlagen für die Moduleinheiten an einem Ort übersichtlich abspeichern.

Der grösste Unterschied zwischen meiner Arbeit auf der KESB und derjenigen als Lehrbeauftragte ist, dass ich als Dozentin eher auf mich alleine gestellt bin, während auf der KESB ein ständiger, oft auch informeller Austausch über fachliche (und natürlich auch formale) Fragen stattfindet.

Ebenfalls fehlt bei der Lehrtätigkeit eine direkte Rückmeldung zum Unterricht (erst am Ende des Moduls müssen die Studierenden bekanntermassen einen Evaluationsbogen ausfüllen). Ich werde zwar die Zahl der Studierenden bestimmen können, welche das Modul bis zur letzten Lektion besucht haben werden. Ebenso kann ich das Interesse anhand der Diskussionsbeteiligung zu messen versuchen oder an der Anzahl gähnender Münder. Eine so direkte Resonanz, wie ich sie von meinen Kolleginnen und Kollegen erhalte, kann ich dagegen nicht erwarten. Sowieso würden die Rückmeldungen der 35 Studierenden bestimmt vielfältig ausfallen. So haben sie sich bestimmt mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und Hintergründen für das Modul «Kindes- und Erwachsenenschutz» angemeldet. Einige waren bereits in diesem Fachgebiet tätig, andere hatten noch nie eine Unterrichtseinheit zum Thema «Recht».

Positiv überrascht bin ich von der engagierten und reflektierten Beteiligung der Studierenden, insbesondere bei den Fallbesprechungen. So wurden bereits an den ersten beiden Modultagen differenzierte und teilweise auch kontroverse Diskussionen möglich.

Unterschätzt habe ich allerdings den Aufwand für die Vorbereitung der Modultage und das Aufschalten der Unterlagen auf die Plattform «Moodle». Es erfordert deshalb einiges an Organisation und Disziplin, um sowohl meinem Beruf als auch der neuen Herausforderung als Lehrbeauftragte an der BFH gerecht zu werden. Dies liegt unter anderem auch daran, dass ich aktuell drei Arbeitsplätze habe: denjenigen auf der KESB, denjenigen an der BFH und mein Homeoffice, wenn ich mich ungestört für die BFH vorbereiten möchte.

Bisher haben wir noch keinen Fall zusammen bearbeitet. Sowieso sehen wir uns momentan sehr selten, wahrscheinlich auch deshalb, weil dein Büro auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite ganz hinten liegt. Und so ist dieser Mailwechsel gar nicht so künstlich, wie ich es zunächst befürchtet hatte. Ich bin geespannt, den ersten von dir verfassten Entscheid zu lesen, welcher jetzt bei mir auf dem Pult liegt.

Liebe Grüsse
Valerie Miesch

   Modell F