Kundenmagazin impuls

Liebe Leserinnen und Leser

Um uns selber und unsere Studierenden mit sozialen Herausforderungen und Problemlösungen in anderen Ländern zu konfrontieren, bieten wir regelmässig Studienreisen an. Letzthin konnte ich unsere Masterstudierenden nach Dresden begleiten, eine Stadt im Osten Deutschlands von betörender Schönheit und mit besonderen sozialen Herausforderungen. Während die wieder aufgebaute Innenstadt als Touristen- und Wirtschaftszentrum floriert, kumulieren und konzentrieren sich in den Plattenbauten rund um die Stadt die insbesondere durch die hohe Arbeitslosigkeit bedingten sozialen Probleme.

Wir besuchten mit der «Diakonie Dresden» einen integrierten sozialen Dienstleister, wie ich ihn in der Schweiz nicht kenne. Uns wurde ein Fallbeispiel vorgestellt: eine alleinerziehende Frau mit drei Kindern, arbeitslos, in finanziellen Problemen. Die Sorgen wachsen ihr über den Kopf, sie vernachlässigt die Kinder, den Haushalt, sich selber. Zusammenbruch, Klinikaufenthalt, eine Gefährdungsmeldung führt zum Obhutsentzug, die Problemspirale dreht sich immer schneller. In der Schweiz wäre die Frau nach dem Klinikaufenthalt ein Fall für die Sozialhilfe sowie die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, sie würde von der Schuldenberatung und Erziehungsberatung unterstützt, vielleicht nähme sie an einem Programm der Arbeitsintegration teil.

Die «Diakonie Dresden» hat der Klientin eine Mietwohnung angeboten. Die Klientin behält die Verantwortung über ihr Leben und ihren Alltag. Sie wird jedoch in diesem ambulanten Setting gezielt beraten und unterstützt. Die fallführende Sozialarbeiterin sorgt dafür, dass die Klientin die notwendige Erziehungsberatung, Schuldenberatung etc. erhält. Weil die Diakonie alle diese verschiedenen sozialen Dienste unter einem Dach vereinigt, reduzieren sich die Schnittstellen und der Koordinationsaufwand. Nach einem Jahr haben sich die Klientin und ihre Familie soweit stabilisiert, dass sie aus der Obhut der Diakonie entlassen werden können.

Studienreisen, wie auch jene nach Lecce im letzten Juni (vgl. Seite 8), erweitern den Horizont! Sie regen an, alte Fragen neu zu denken und Visionen für die Entwicklung des Sozialwesens zu kreieren.

Prof. Dr. Martin Wild-Näf
Leiter Abteilung Weiterbildung, Dienstleistung, Forschung

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