Kundenmagazin impuls

Liebe Leserinnen und Leser

Die Zahlen und auch der politische Diskurs zur Sozialhilfe sind bekannt. Und trotzdem fühlt es sich anders an, wenn man mit einzelnen Fällen konfrontiert ist. Als Mitglied der Sozialhilfekommission der Stadt Bern habe ich im Rahmen der Dossierkontrolle einmal pro Jahr Einblick in die Arbeit des Sozialdienstes sowie der Sozialarbeitenden und lerne einzelne Klientenbiografien kennen. In diesem Jahr haben wir uns speziell mit Sozialhilfebeziehenden beschäftigt, die über 50 Jahre alt sind.

Drei Punkte sind mir dabei besonders aufgefallen: Der Sozialhilfebezug hat eine klare Indikation, ergibt sich aus langen Vorgeschichten mit schwierigen beruflichen und privaten Konstellationen. Ein konstanter Verlauf ist bereits ein Erfolg, eine Verschlechterung insbesondere mit gesundheitlichen Problemen ist gehäuft feststellbar. Und last but not least: Mehrjähriger Sozialhilfebezug ist die Regel, Ablösung in den Arbeitsmarkt die Ausnahme.

Ich erlaube mir, drei persönliche Folgerungen für die Soziale Arbeit zu ziehen: Finanzielle Hilfe allein genügt nicht, es braucht vor allem auch professionelle Sozialberatung, um Klientinnen und Klienten in der Sozialhilfe zu stützen. Notwendig ist breites interdisziplinäres Wissen und die Zusammenarbeit mit anderen Professionen, um zum Beispiel eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes festzustellen und angemessen zu intervenieren. Und schliesslich: Soziale Arbeit ist wichtig, sie kann individuelle und gesellschaftliche Probleme jedoch nicht alleine lösen. Wir sind alle zusammen gefragt, um zum Beispiel niederschwellige Arbeitsplätze in privaten und staatlichen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Prof. Dr. Martin Wild-Näf
Leiter Abteilung Weiterbildung, Dienstleistung, Forschung 

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