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Liebe Leserin, lieber Leser

Als ich unlängst Studierenden mit den Worten «Sie haben sich für eine menschenfreundliche Tätigkeit entschieden» zur Wahl ihres Studiums gratulierte, erntete ich verwunderte Blicke und die Frage, was ich denn damit meine. 

Zugegeben, Menschenfreundlichkeit ist ein Begriff, der Staub angesetzt hat. Nimmt man ihn aber beim Wort, zeigt er hochmodernes und hochaktuelles Potenzial.

Soziale Arbeit trägt dazu bei soziale Probleme zu lösen, sie lindert oder verhindert soziale Notlagen, fördert Teilhabe und soziale Integration, unterstützt die Entwicklung von Menschen, nimmt Partei für die Benachteiligten und Vulnerablen in der Gesellschaft. 

Hierfür ist sie auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen. Im politischen Kampf um die Ressourcen liegen Anklagen, Vorwürfe, moralische und politische Appelle sowie die oppositionelle Haltung gegen eine nicht genügend solidarische Gesellschaft nahe. Solidarität appelliert dagegen an ein Zusammengehörigkeitsgefühl und bedingt eine gemeinsame Basis, von der aus die Anliegen und Bedürfnisse von Benachteiligten als solche der Gesellschaft erkannt werden können. 

Der Begriff der Menschenfreundlichkeit gewinnt seinen Gehalt aus dem Verhalten gegenüber den Menschen, die nicht zur Gemeinschaft gehören, wenn Menschenfreundlichkeit die erste Tugend gegenüber Fremden oder Hilfesuchenden ist. Sie vereinigt Menschen mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen, Vermögen und Schicksalen zu einer solidarischen Gemeinschaft. 

Wenn Soziale Arbeit an die Menschenfreundlichkeit appelliert, kann sie für die Gefährdungen, Herausforderungen und die Unbill des Lebens sensibilisieren, welche Schwache wie Starke treffen und wovor nur die Starken in der Gesellschaft Schutz bieten können. 

Deshalb plädiere ich dafür, den Begriff wieder in unser aktives Vokabular aufzunehmen.

Prof. Petra Benz Bartoletta
Studiengangsleiterin Bachelor in Sozialer Arbeit

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