Kundenmagazin impuls

Es geht um Angemessenheit

 

Soziale Sicherheit ist ein Klassiker der Neuzeit. Von Bismarck bis ins Reich der Mitte: Wo immer die primären Auffangnetze massenhaft versagen – die Familie, der Stamm, das Dorf, der Betrieb – da sieht die öffentliche Hand sich in der Pflicht, uns abzusichern vor den individuellen ökonomischen Folgen des Eintritts elementarer Lebensrisiken. Sie schützt damit:

  • uns alle vor Verarmung und Verelendung – oder zumindest vor der Angst davor. Sozialpolitik ist Gesundheitspolitik.
  • die öffentliche Ordnung vor Outlaws, die nichts mehr zu verlieren haben. Sozialpolitik ist Ordnungspolitik.
  • den Wettbewerb vor dem Rückzug jener, die die Risikofreudigkeit nicht aufbringen, sich mit Optimismus und Unternehmergeist auf den Markt zu werfen: Stellenwechsel, Wohnungswechsel, Konsum, Investitionen, Schulden machen, Firmen gründen mit einem innovativen Produkt. Das dürfen wir nicht nur, das sollen wir. Marktwirtschaft lebt vom Risiko. Deshalb ist ihr unsere Risikobereitschaft ein schützenswertes Gut. Sozialpolitik ist auch Wettbewerbspolitik.

Indem Soziale Sicherheit individuelle Verantwortung auf die Allgemeinheit abwälzt, setzt sie sich Vorwürfen aus: 

  • Sie entlaste die Menschen und ihr Zusammenleben über Gebühr und schwäche damit in Tat und Wahrheit Individuum, Gemeinschaft und private Initiative. Selbstverschulden an der eigenen Bedürftigkeit müsse Ausschlusskriterium bleiben für Leistungen, ihr Missbrauch greife Sinn und Zweck des Sozialstaats im Kern an. So reden die einen und verkennen dabei, dass Soziale Sicherheit nicht Gutmenschentum, sondern Vernunft entspringt.
  • Für andere sind Leistungen der Sozialen Sicherheit rechtlich und moralisch geschuldete Genugtuung für alle Unbill, die uns vom «System» angetan werde, Wiedergutmachung für die Schäden, die entfremdete Arbeit an Mensch und Gesellschaft anrichte. Voller Inbrunst malen sie stereotyp den grossen Sozialabbau an die Wand. Und wenn er denn eintritt, fehlen die Worte. 

Da tut gelassene Sachlichkeit Not.

Genau hinschauen, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Altes überprüfen, neue Lösungen entwickeln. Tabus brechen, wie etwa die Frage nach dem angemessenen Mass, die Abwägung von Grenznutzen und Grenzkosten, die Frage nach Sättigung. Welches ist das optimale Mass an Kollektivierung individueller Risiken? Eine Frage, die offenbar permanent neu ausgehandelt werden muss.

 

Die BFH ist in einer besonders guten Ausgangslage, um die Grundlagen zu liefern für die Pflege dieser heiklen Balance. Ihre Fachbereiche Wirtschaft, Soziale Arbeit und Gesundheit stehen seit zehn Jahren in enger Zusammenarbeit. Das Studium der Voraussetzungen körperlichen, psychischen, sozialen und kulturellen Wohlergehens trifft hier auf die Lehre von der Steuerung nachhaltig adäquaten Ressourceneinsatzes – und da entsteht genau der Kompetenzmix, der für eine langfristige Sicherung unserer sozialstaatlichen Errungenschaften nachgefragt sein wird.

 

Deshalb hat die BFH ein «Zentrum Soziale Sicherheit» zu einem ihrer Markenzeichen gemacht.

 

Johannes Schleicher

Leiter Fachbereich Soziale Arbeit

 

 

Möchten Sie unser Kundenmagazin regelmässig kostenlos zugeschickt erhalten?
Hier geht es zum Abonnement

   Modell F