Kundenmagazin impuls

… auf höchstem Niveau?

Es war im gezeichneten und gebeutelten Armenien, dass wir wieder in die Lage kamen, unseren Kolleginnen den Sozialstaat Schweiz zu erklären. Ich hatte das kürzlich schon vor Bachelor-Studierenden am Kap der Guten Hoffnung versucht. Es fällt mir schwer, aber ich weiss nicht, warum. Es ist, als hätte ich eine Botschaft zu rechtfertigen, wie sie der alzheimerkranke Vater dem Sohn Arno Geiger verkündet («Der alte König in seinem Exil»): Das Leben ist ohne Probleme auch nicht leichter.

Was hat man denn hier für Probleme? Dass einem Leute im Hauseingang übernachten würden, wenn man nichts tut? Dass man weiss – aber kaum sieht –, dass es auch hier eine kleine Sockelarbeitslosigkeit gibt? Dass im Nachbarquartier Männer ihre Kinder oder Frauen schlagen? Dass wir verlernt haben, den Tod hinzunehmen? Dass viele Menschen im Winter trübsinnig und des Lebens überdrüssig werden? Dass Krieg schon lange her – aber noch immer nicht weit weg ist?

Ein Blick auf die Beiträge im neuen «impuls» zeigt, dass im Mittelpunkt der Interessen unseres Fachbereichs trotzdem die ganz elementaren Fragen stehen: die Sicherung der Existenz und die Prävention und Bewältigung grundlegender menschlicher und zwischenmenschlicher Daseinskrisen. Es geht uns noch immer um die Grundlagen. Um das Minimum an Sicherheit, das alle Menschen brauchen, um sich als Teil der Gesellschaft zu empfinden und wo möglich zu entfalten. Die politische und individuelle Gewährleistung dieser Grundsicherheit gehört offenbar auch dort zum Kernauftrag von Sozialarbeit, wo Überlebenskampf den Alltag nicht mehr prägt.

Johannes Schleicher
Leiter Fachbereich Soziale Arbeit

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