3 Fragen an Michael Herzka, Dozent und Experte für Führungsethik

21.03.2017

An soziale Nonprofit-Organisationen und ihre Führungskräfte sind die ethischen Erwartungen besonders hoch. Michael Herzka, Dozent an der BFH, ist aber überzeugt, dass gerade Fachleute aus dem Sozial- oder Gesundheitswesen für die Führungsaufgabe bereits sehr wertvolle Ressourcen mitbringen. Er hat dazu ein Buch geschrieben mit dem Titel «Gute Führung – Ethische Herausforderungen in Nonprofit-Organisationen».

Welche beruflichen und persönlichen Erfahrungen haben Sie dazu bewogen, sich mit dem Thema «Gute Führung» näher zu befassen?

Ich war selbst viele Jahre in Fach- und Führungsfunktionen in Nonprofit-Organisationen (NPO) im Sozial- und Gesundheitswesen und in der Bildung tätig. Wer behauptet, in NPO würde weniger effizient gearbeitet als in der kommerziellen Wirtschaft, unterschätzt den ökonomischen Druck, dem viele dieser Organisationen ausgesetzt sind.

Diese Branchen weisen aber einige Besonderheiten auf: Ihr Ziel ist nicht die individuelle Nutzenmaximierung, sondern die Teilhabe und Teilnahme aller an der Gesellschaft. Es geht um Chancengleichheit und um soziale Sicherheit. Mit begrenzten Ressourcen und nach ökonomischen Prinzipien muss ein gemeinschaftsbildender Auftrag verwirklicht werden. Das geht häufig nicht auf und kann zu schwierigen Konflikten und Dilemmata führen. Die Mitarbeitenden haben jedoch in Ausbildung und Praxis gelernt, damit umzugehen.

Mich interessiert, wie diese Kompetenzen – professionell abwägen und angemessen entscheiden – auch in der Führungsarbeit und für die Zusammenarbeit innerhalb dieser Betriebe genutzt werden können.

Was macht die Besonderheit von Führung im Nonprofit-Bereich aus? Warum tauchen ethische Fragen ausgerechnet hier auf?

Organisations- und Führungsethik befassen sich mit Fairness, Ehrlichkeit und Transparenz im Handeln eines Unternehmens und seiner Führungskräfte gegenüber den verschiedenen Anspruchsgruppen. Wie geht man miteinander um, welche Werte gelten, worauf ist Verlass? Bei NPO und insbesondere bei Sozialen Organisationen sind die Erwartungen von Mitarbeitenden, aber auch von Klientinnen und Klienten, Medien oder Politik diesbezüglich ausserordentlich hoch. Wenn etwas schief läuft, sind die Folgen oft gravierend und das Vertrauen ist nachhaltig gefährdet.

Warum erachten wir es als es besonders verwerflich, wenn Mitarbeitende ungerecht behandelt werden, Gelder verschwinden oder wenn gar Klientinnen und Klienten direkt zu Schaden kommen? Weil damit unsere elementaren Ansprüche an eine solidarische Gemeinschaft verletzt werden. Meine These ist also, dass für diese Organisationen und ihre Führungskräfte die «moralische Fallhöhe» sehr gross ist.

Was ist für Sie die wichtigste Aussage in Ihrem Buch zum Thema «Gute Führung», die Sie einer Führungsperson unbedingt mitgeben möchten?

Baut auf Euren Stärken, gerade in ethisch schwierigen Situationen! Fachkräfte aus dem Sozial- oder Gesundheitswesen bringen viel mit für die Führungsaufgabe: Sie verfügen über eine klare Berufsidentität und eine ausdifferenzierte Professionsethik. Diese Ressourcen gilt es zu pflegen und für die Managementsaufgabe weiterzuentwickeln. Führungskräfte sollten sich Zeit nehmen für die ethische Reflexion. Das macht ihre Aufgabe nicht unbedingt einfacher, aber es gibt Sicherheit, wenn schwere Entscheide anstehen.



Das Buch «Gute Führung - Ethische Herausforderungen in Nonprofit-Organisationen» von Michael Herzka erscheint als Printausgabe und E-Book bei Springer VS.  Es wird in der Bibliothek Soziale Arbeit zur Verfügung stehen.

Führungshandeln im Spannungsfeld von Ethik und Ökonomie ist auch Thema in den Managementweiterbildungen des Fachbereichs Soziale Arbeit:

MAS Integratives Management
CAS Führungskompetenzen
CAS Change Management

   Modell F